About

Fotos haben für mich lange keine große Rolle gespielt. Wir hatten keine Kamera im Haus und niemanden, der fotografierte. Es gibt nur wenige Familienbilder, ein Hochzeitsbild meiner Eltern, ein paar von mir als kleinem Jungen, die meisten in Schwarz-Weiß. Irgendwann habe ich begonnen, sie wertzuschätzen, auch, weil sie rare Spotlights auf ein Leben werfen, dass ich entweder gar nicht oder ganz anders in Erinnerung habe. Ich kann in ihnen Schattierungen entdecken, die mir sonst verborgen geblieben wären.

Im Architekturstudium hatte ich meine erste Kamera, eine kleine digitale Pocketkamera. Ich wollte den Raum einfangen, das, wovon die Professoren (es gab wenige Frauen) ständig sprachen, ich aber nicht sah. Und auch wenn meine Fotos meist eine Enttäuschung waren, nichts von dem hatten, was mir beispielsweise bei Exkursionen oder einfach beim flanieren durch die Stadt (angenehme, aber auch grauselige) Schauer über den Rücken laufen lies: Sie haben mir geholfen, besser zu verstehen, was „Architektur“ sein könnte. Auch die Rolle der Menschen darin, die anfangs eher zufällig ins Bild gerieten — und bald weit mehr waren als bloße Staffage.

Inzwischen interessiert mich Fotografie nicht nur als Werkzeug zum Einfangen von Architektur und Mensch oder, wenn man so groß denken möchte, Raum und Zeit. Ich schätze sie als wunderbare Zauberbrille, die Sinne zu erweitern. Jede kleine Expedition mit der Kamera in der Hand ist für mich zu einer Lehrstunde des Wahrnehmens und — mit etwas Glück — Erkennens geworden.